Der Bundeswettbewerb ist der Höhepunkt der Wettbewerbsrunde. An der Veranstaltung nehmen alle Jungforscherinnen und Jungforscher teil, die bei einem der Jugend forscht Landeswettbewerbe den ersten Preis gewonnen haben. Beim Finale von Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb, das jedes Jahr im Mai stattfindet, messen sich die Besten des Landes in den sieben Jugend forscht Fachgebieten. Neben der Präsentation der Projekte und der Bewertung durch eine Jury erwartet die Jugendlichen während des viertägigen Wettbewerbs ein attraktives Rahmenprogramm.
Deutschlands beste Talente in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) wurden am 31. Mai 2026 bei der Schaeffler AG in Herzogenaurach ausgezeichnet. Bei der Siegerehrung anwesend waren Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Jugend forscht e. V., Matthias Hauer, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern, Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG, sowie Georg F. W. Schaeffler, Familiengesellschafter und Aufsichtsratsvorsitzender der Schaeffler AG. Der 61. Bundeswettbewerb, für den sich 159 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit 116 innovativen Forschungsprojekten qualifiziert hatten, wurde gemeinsam ausgerichtet von Schaeffler als Bundespatenunternehmen und der Stiftung Jugend forscht e. V. Wie in den letzten Jahren war der Leiter des Instituts für Arbeitsschutz der DGUV (IFA), Prof Rolf Ellegast, in der Jury im Themengebiet „Arbeitswelt“ aktiv am Bundeswettbewerb beteiligt.
Bild: Stiftung Jugend forscht e. V.
Den Preis der Bundesforschungsministerin für die innovativste Arbeit erhielt Vincent Nack (19) aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn vom Staatlichen Gymnasium Höhenkirchen-Siegertsbrunn für seine Arbeit „KEINE CHANCE FÜR TÄUSCHUNG - Entwicklung eines KI-basierten Systems zum Schutz vor Telefonbetrug“. Telefonbetrug ist weit verbreitet, etwa in Form von Schockanrufen oder des Enkeltricks bei älteren Menschen. Vincent Nack entwickelte ein KI-gestütztes und zum Patent angemeldetes System zum Schutz vor Telefonbetrug, das alle Formen von Täuschung in Echtzeit erkennt und Betrugsopfer schützt. Die Rohdaten des Telefongesprächs werden durch eine selbst programmierte Software local verarbeitet und der Gesprächsinhalt anschließend in Textform umgewandelt. Eine sofortige Textanalyse durch Large Language Models prüft auf betrügerische Inhalte. Liegt eine Täuschung vor, warnt das System die Nutzenden akustisch und beendet das Telefonat. Das Forschungsprojekt von Vincent Nack beeindruckt durch die hohe gesellschaftliche Relevanz, die sich in einer anwenderfreundlichen Lösung für mögliche Betroffene zeigt. Die Jury überzeugte besonders die exzellente und technisch ausgereifte Umsetzung auf der Grundlage von künstlicher Intelligenz.
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Bundessieger im Fachgebiet Arbeitswelt wurde Götz Anft (19) aus Jesteburg vom Gymnasium Am Kattenberge, Buchholz, Zukunftswerkstatt Buchholz, mit seiner Arbeit “TROCKNUNG VERBESSERT DRUCKQUALITÄT - Feuchtigkeitsfalle im 3D-Druck: Optimierung, Kosteneffizienz, Anwenderfreundlichkeit”. Beim 3D-Druck spielt neben der Konstruktion und den Druckparametern die Qualität des verwendeten Filaments eine zentrale Rolle. Filamente sind drahtförmige Kunststoffwerkstoffe, die im Drucker geschmolzen und schichtweise verarbeitet werden. Götz Anft untersuchte, ob unterschiedliche Feuchtigkeitsgehalte in diesen 3D-Druck- Filamenten die Druckqualität wie auch die mechanischen Eigenschaften eines Druckmodells beeinflussen. Dazu druckte er mehrere Proben aus verschiedenen Filamenten und testete anschließend die Zugfestigkeit und Qualität der Druckerzeugnisse. Gleichzeitig verglich er verschiedene Trocknungsverfahren miteinander. Die Ergebnisse zeigten, dass ein reduzierter Feuchtigkeitsgehalt die Druckqualität positiv beeinflusst und etwa die Oberflächenbeschaffenheit der gedruckten Modelle verbessert.
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Den zweiten Preis des Fachgebiets Arbeitswelt erhielten Henry Theo Wittkop (17), Sprockhövel, Maximiliane Falke (18), Hattingen, und Moritz Vogt (17), Sprockhövel, Gymnasium Holt, für die Arbeit „SPIELERISCHER UMGANG MIT KI - AI Ready: Fit für die digitale Welt“. Künstliche Intelligenz (KI) ist mittlerweile ein fester Bestandteil des Alltags. Auch in Schulen wird KI mittlerweile ganz selbstverständlich genutzt, weshalb eine Auseinandersetzung mit Chancen und Risiken erforderlich ist. Henry Theo Wittkop, Maximiliane Falke und Moritz Vogt entwickelten daher eine interaktive Lernwebsite, die Schülerinnen und Schüler spielerisch unterstützt, einen kritischen, sinnvollen und datenschutzbewussten Umgang mit KI zu erlernen. „AI Ready“ ist eine Lernplattform, auf der sie die verantwortungsvolle Verwendung von künstlicher Intelligenz üben können. Die Jugendlichen durchlaufen verschiedene Szenarien, wie das Lernen für Klausuren und das Recherchieren von Themen. Intelligente Charaktere vermitteln den jungen Besuchenden der Lernwebsite dabei ein reales und interaktives Lerngefühl.
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Der dritte Preis des Fachgebiets Arbeitswelt ging an Zoé Leider (16), Agnesa Berisha (16) und Enie Knospe (15), alle Stendal, Winckelmann-Gymnasium Stendal, für die Arbeit “MEHR SICHERHEIT IN DER KÜCHE - Bessere Arbeitssicherheit und Ergonomie in der Gastronomie durch innovatives Kochgeschirr”. In Restaurants sind Beschäftigte vielfältigen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt, etwa durch ungünstige Arbeitszeiten und Zeitdruck. Eine weitere Gefahr ist heißes Kochgeschirr, das beim Abgießen oder beim Heben zu Verbrennungen an Fingern und Händen führen kann. Um die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie in diesem Bereich zu verbessern, entwickelten Zoé Leider, Agnesa Berisha und Enie Knospe ein innovatives Kochgeschirr für Induktionsherde. Doppelwandige Töpfe mit vollflächiger Thermoisolierung aus einem Silicat-Aerogel schützen vor Verbrennungen. Ein neuartiges Design der Verbindungflächen zwischen Topf und Deckel vereinfacht das Abgießen. Neben der deutlich geringeren Verbrennungsgefahr haben die Töpfe auch ergonomische Vorteile, beispielsweise durch eine veränderte Griffgestaltung.
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Den vierten Preis des Fachgebiets Arbeitswelt erhielt Rezan Aaron Yalçin (15) aus Rheinbach vom Städtischen Gymnasium Rheinbach für seine Arbeit „FAIRER ZUGANG ZU GELEGENHEITSJOBS - JobBridge – die digitale Taschengeldbörse”. Viele Jugendliche möchten sich mit einfachen Tätigkeiten Taschengeld hinzuverdienen. Existierende sogenannte Taschengeldbörsen als Plattformen sind jedoch häufig veraltet, intransparent, ineffektiv und unfair bei der Verteilung der Jobs. Rezan Aaron Yalçin programmierte daher eine digitale Plattform, auf der Jugendliche ab 14 Jahren moderiert und transparent Gelegenheitsjobs von privaten Haushalten und lokalen Anbietern finden können. Dabei achtete er auf die Bedürfnisse sowohl der Teenager als auch der Jobanbieter. Darüber hinaus nahm der Jungforscher die Art und Weise in den Blick, wie die Plattform betrieben wird, und installierte beispielsweise ein spezielles Sicherheitskonzept, um sensible Informationen schützen und auffällige Vorgänge prüfen zu können.
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Den fünften Preis des Fachgebiets Arbeitswelt erhielten Jimmy-Lee Cibis (20) und Daniel Hansel (20), beide Bremen, Universität Bremen für ihre Arbeit „SCHNELLE ERSTATTUNG FÜR VIELFAHRER - fahrgasthelfer.de – Verspätungsentschädigung für Zeitkarten leicht gemacht”. Fahrgäste mit Zeitkarten wie dem Deutschlandticket oder der BahnCard 100 können Verspätungen sammeln und gebündelt einreichen. Beim Deutschlandticket ist dies bereits ab 20 Minuten am Zielbahnhof möglich. In der Praxis werden diese Ansprüche jedoch selten geltend gemacht, da Verspätungen manuell dokumentiert und formgerecht eingereicht werden müssen. Jimmy-Lee Cibis und Daniel Hansel programmierten ein System, über das Zeitkarteninhaber unkompliziert Erstattungen beantragen können. Grundlage ist eine deutschlandweite Verspätungsdatenbank, in der geplante und tatsächliche Zugzeiten langfristig gespeichert und analysiert werden. Das System prüft automatisch, ob und in welchem Umfang Entschädigungsansprüche bestehen und verkürzt den bislang komplexen Weg der Antragstellung deutlich.
DGUV-Preisträger 2026 Tobias Schmidt (links) zusammen mit Prof Dr. Rolf Ellegast (rechts), Leiter des IFA der DGUV
Bild: Stiftung Jugend forscht e. V.
Der Preis für eine Arbeit auf dem Gebiet „Gute Prävention und Rehabilitation“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e. V. ging an „SMARTE SÄGESPALTTECHNIK - TimberMind – Intelligent Brennholz verarbeiten“ von Tobias Schmidt (17) aus Schwarzenbach an der Saale vom Schiller-Gymnasium Hof. Bei der Brennholzproduktion hilft eine manuell bedienbare Sägespaltmaschine, Baumstämme schnell und effizient in ofenfertige Holzscheite zu zerkleinern. Das vermeidet den Einsatz einer Kreissäge und einer Spaltaxt. Tobias Schmidt gelang es mit überschaubarem Aufwand, eine Sägespaltmaschine mittels einer mikrocontrollerbasierten Steuerung teilweise zu automatisieren. Die Steuerung übernimmt wiederkehrende Arbeitsschritte wie das Zuführen, Sägen und Spalten. Sensoren erfassen die Stammposition am Anschlag sowie den Abschluss des Sägevorgangs und ermöglichen eine kontrollierte Ablaufsteuerung. Praxistests belegten eine Zeitersparnis von 25 bis 40 Prozent. Das steigert den Durchsatz und entlastet die Bedienperson, ohne die Sicherheit oder die manuelle Bedienbarkeit der Maschine einzuschränken.
Eine Liste der Preisträgerinnen und Preisträger aus Ihrem Bundesland und Kurzbeschreibungen aller Projekte, druckfähige Fotos, Videos, die virtuelle Wettbewerbsausstellung sowie weiterführende Infos gibt es unter www.jugend-forscht.de.