Aktuell notiert: Treulich geleitet?

Tablet vs. Datenbrille beim visuell geführten Kommissionieren

Mann im Gabelstapler-Simulator vor virtueller Arbeitsumgebung

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Proband mit Datenbrille im Fahrsimulator
Bild: IFA

Der deutsche Versandhandel boomt - befeuert von Digitalisierung und Globalisierung. Zwischen 2009 und 2017 hat sich der Umsatz in der Branche, inklusive E-Commerce, mehr als verdoppelt. Parallel steigen die Anforderungen an die Lagerlogistik. In immer größeren Hallen müssen immer mehr Waren in möglichst kurzer Zeit kommissioniert werden, damit sie die Kundschaft schnellstens erreichen.

Für mehr Geschwindigkeit und Effizienz geben Tablets in der Kommissionierung buchstäblich die Richtung vor. Sie leiten die Lagerbeschäftigten auf ihrem Stapler von Regal zu Regal. Doch auf dem Stapler gilt, was auch sonst beim unfallfreien Führen von Fahrzeugen wichtig ist: Augen auf und nach vorn auf die Fahrbahn geschaut! Eine Forderung, die der regelmäßige Kontrollblick auf das Tablet konterkariert.

Die Idee liegt nahe, dass Datenbrillen hier hilfreich sein könnten: Die Information erscheint im direkten Blickfeld der Staplerfahrenden, je nach Brille mal einseitig (monokular) oder auf beiden Augen (binokular). Kopfdrehen zum Display, Blickabwenden von der Fahrbahn: All das ist dann nicht mehr nötig. Aber heißt das auch keinerlei kognitive Belastung, beispielsweise in Form von Ablenkung? Wie sieht der Vergleich "Tablet versus Datenbrille" aus? Diesen Fragen ist das IFA in einer ersten Laborstudie mit 23 Personen nachgegangen.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Alle Systeme, ob Datenbrille (mono- wie binokular) oder Tablet, führen zu einer statistisch signifikant erhöhten Belastung; das belegen sowohl die objektive Messung von Reaktionszeiten als auch die subjektive Befragung der Versuchspersonen.
  • Statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Systemen gibt es nicht.
  • Bei der generellen Frage nach einer Gerätevorliebe liegt das Tablet vorne.

Ob sich die Ergebnisse in Praxisuntersuchungen mit größeren Versuchsgruppen bestätigen, was sie für die Unfallhäufigkeit bedeuten und wie sich der Einsatz der Geräte ggf. optimieren lässt, müssen Nachfolgestudien zeigen.


Projektinitiative

Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik

www.bghw.de

Projektverantwortung im IFA

Dr. Jörg Rissler

Expositions- und Risikobewertung

Tel: +49 30 13001-3103
Fax: +49 30 13001-38001


Benno Gross

Stabsstelle Gestaltung neuer Arbeitsformen

Tel: +49 30 13001-3102
Fax: +49 30 13001-38001