abgeschlossen 11/2025
Akute Distorsionen des oberen Sprunggelenks (OSG) mit Läsion des lateralen Bandapparats zählen zu den häufigsten Verletzungen in Alltag und Sport und gehen mit hohen Rezidivraten sowie dem Risiko einer chronischen OSG-Instabilität einher. Ein wesentlicher Grund sind fehlende objektive, frühe Funktionsdiagnostik und eine häufig unzureichend strukturierte Rehabilitation.
Ziel des Projekts OSGAR II war es daher, einerseits ein valides Diagnostikinventar zur sensitiven Messung einer funktionellen OSG-Instabilität kurz nach primärer OSG-Akutdistorsion zu entwickeln (OSGAR-2.1) und andererseits die Wirksamkeit einer multimodalen sensomotorischen Trainingsintervention (SMART) im Vergleich zur Standardtherapie (NORMT) auf die OSG-Funktion kurz- und langfristig zu evaluieren (OSGAR-2.2).
Das Vorhaben wurde als prospektive, monozentrische Studie mit zwei aufeinander aufbauenden Modulen durchgeführt:
OSGAR II.1 (Diagnostik): kontrolliertes Querschnittsdesign mit matched-pair Vergleich zwischen verletzten Teilnehmenden (INJURED; n = 36) und gesunden Kontrollen (CONTROL; n = 36). Aus einer multidimensionalen Testbatterie (Psychometrie, Beweglichkeit, Gang/Lauf, posturale Kontrolle, Kraft, Sprung/Landestrategie) wurden pro Domäne die trennschärfsten Parameter selektiert. Cut-offs wurden mittels ROC-Analysen und Youden-Index bestimmt.OSGAR II.2 (Training): randomisierte kontrollierte Längsschnittstudie mit 6- und 12-Monats-Follow-up. Bei primärer OSG-Akutdistorsion wurde ein bis zwei Wochen nach Trauma ein MRT zur Klassifikation der Bandverletzung (Einschluss: signifikante Läsion/Ruptur mind. eines lateralen Bandelements; Ausschluss u. a. Frakturen, Syndesmose-/Knorpelläsionen) angefertigt. Randomisierung in SMART (sechswöchiges, progressives, multimodales sensomotorisches Training ab Woche zwei und drei; supervisierte und Eigenübungsanteile; niedrigschwellig ohne kostenintensives Equipment) vs. NORMT (bedarfsangepasste physiotherapeutische Maßnahmen). Primäre Outcomes: CAIT und FAAM (T1 prä, T2 post; Follow-ups T3 = 6 Monate, T4 = 12 Monate). Statistik: RM-ANOVA, Post-hoc mit Bonferroni.
Es wurde ein Diagnostikinventar mit praktikablen Cut-offs zur frühen Erkennung funktioneller Instabilität entwickelt. Zentrale Schwellenwerte: CAIT <26, FAAM-Sport <86, reduzierte passive Plantarflexion (<44°) bzw. Gesamt-ROM (<72°), auffällige posturale Kontrolle (SEBT-Composite <92,81), reduzierte konzentrische Plantarflexionskraft (<2,24 Nm/kg) sowie veränderte Sprung-/Landungsparameter (Drop-Jump Kontaktzeit >0,23 s) und gangbezogene Parameter.
OSGAR II.2: Beide Gruppen verbesserten sich über die Zeit deutlich. Für den CAIT zeigte sich neben einem starken Zeiteffekt auch ein signifikanter Zeit×Gruppe-Interaktionseffekt zugunsten von SMART: Die SMART-Gruppe erreichte klinisch unauffällige Bereiche früher (im Mittel bereits ab T2) als NORMT (im Mittel ab T3). Auch beim FAAM-Sport zeigte sich ein signifikanter Interaktionseffekt mit steilerem Anstieg unter SMART. Ein Jahr nach dem Erstereignis berichteten 38 % mindestens eine erneute OSG-Distorsion (SMART n = 12; NORMT n = 16); anhand definierter Cut-offs lagen 9 % der Gesamtstichprobe im Bereich einer chronischen Instabilität, überwiegend in der NORMT-Gruppe (SMART n = 1; NORMT n = 5).
Relevanz/Verwertbarkeit für Unfallversicherungsträger und Praxis:
Früherkennung: Das Diagnostikinventar ermöglicht frühes Screening (zwei bis drei Wochen) und eine defizitbasierte Steuerung der Rehabilitation – mit Potenzial zur Senkung von Rezidiven und Chronifizierung. Versorgungslücke schließen: SMART bietet ein strukturiertes, niedrigschwellig implementierbares Rehabilitationskonzept (Broschüre/PDF, QR-Codes/Videos, Heimtraining, wenig Material) und kann in Behandlungsabläufe integriert werden. Ökonomischer Nutzen: Durch frühere funktionelle Wiederherstellung und mögliche Reduktion chronischer Verläufe sind Folgekosten (Arbeitsunfähigkeit, Re-Verletzungen, Langzeitbeschwerden) potenziell reduzierbar.
-branchenübergreifend-
Gefährdungsart(en):-Verschiedenes-
Schlagworte:Rehabilitation
Weitere Schlagworte zum Projekt:Akuttrauma, Sprunggelenk