Prävention von psychosozialen Risiken und Förderung sozialer Beziehungen bei Algorithmischem Management (PräRisAM)

Projekt-Nr. FF-FP 0504

Status:

laufend

Zielsetzung:

Arbeitsprozesse werden zunehmend digitalisiert und ohne unmittelbare menschliche Beteiligung durch algorithmisches Management (AM) gesteuert. Der Einsatz von AM findet derzeit vor allem in der Plattformarbeit statt, hält jedoch auch zunehmend Einzug in betriebsgebundene Arbeitsbereiche wie die Logistik. Neben den erwarteten Effizienzgewinnen durch AM deuten erste Studien darauf hin, dass diese Form der Arbeitssteuerung auch gesundheitliche Risiken für Beschäftigte mit sich bringen kann. Es wird vermutet, dass diese Risiken unter anderem auf negative Auswirkungen von AM auf psychische Belastungsfaktoren im Sinne der DIN ISO 10075 zurückzuführen sind. Darüber hinaus könnten sich Einschränkungen bei der Umsetzung beteiligungsorientierter Arbeitsschutzmaßnahmen – wie der Gefährdungsbeurteilung – sowie eine Schwächung der Präventionskultur ergeben. Zudem wird angenommen, dass institutionelle, regulatorische und kulturelle Rahmenbedingungen sowohl den Einsatz als auch die Auswirkungen von AM wesentlich mitbestimmen. Vor diesem Hintergrund besteht ein dringender Bedarf, die neuen Herausforderungen für den Arbeitsschutz durch AM, systematisch zu untersuchen.

Das Vorhaben verfolgt folgende Forschungsziele:

(1) Definitorische Schärfung des Konzepts AM und Integration des Konzepts in bestehende Präventions- und Arbeitsschutzkonzepte.

(2) Identifizierung tätigkeitsspezifischer Effekte von AM auf psychische bzw. psychosoziale Belastungsfaktoren.

(3) Identifizierung tätigkeitsspezifischer Effekte von AM auf die betriebliche Präventionskultur.

(4) Identifizierung förderlicher und hinderlicher Durchführungsbedingungen von Arbeitsschutzmaßnahmen bei AM.

(5) Integration aktueller europäischer Regelungs- und Gestaltungsansätze sowie Arbeitsschutzerfahrungen im Bereich AM.

(6) Entwicklung von Gestaltungsmaßnahmen zur Stärkung sozialer Beziehungen im Betrieb unter den Bedingungen von AM.

Aktivitäten/Methoden:

Das transdisziplinäre Projekt verwendet ein gemischt-methodisches Design: In Interviews mit Arbeitsschutz-Beteiligten (z. B. Arbeitsschutzexpertinnen und -experten, Mitarbeitende) aus drei Bereichen (ortsgebundene und -ungebundene Plattformarbeit, Logistik) werden Auswirkungen des AM auf psychische Belastung, Arbeitsschutz und Präventionskultur exploriert. Darauf folgt eine standardisierte Befragung von 300 Mitarbeitenden, um die Beziehung zwischen AM, psychischer Belastung (vor allem soziale Beziehungen), Präventionskultur und Wohlbefinden zu identifizieren. Mit einem partizipativen Design-Thinking-Prozess wird ein kontextspezifisches Interventionskonzept zur Förderung sozialer Beziehungen unter AM entwickelt. In einer zweiten Interviewstudie bewerten die Arbeitsschutz-Beteiligten nach der Delphi-Methode die Projekt-Ergebnisse und prüfen die Umsetzbarkeit der entwickelten Gestaltungsansätze. Ein europäischer Workshop diskutiert die europäische Arbeitsschutzpraxis bei AM und die Umsetzung entsprechender neuer EU-Regelungen.

Stand:

26.03.2026

Projekt

Gefördert durch:
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV)
Projektdurchführung:
  • Universität Duisburg-Essen
  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
  • Universitätsklinikum Ulm
Branche(n):

-branchenübergreifend-

Gefährdungsart(en):

Arbeitsorganisation/-schutzmanagement, Psychische Fehlbelastungen

Schlagworte:

Arbeitsformen, Physische Beanspruchung/Belastung, Psycho-soziale Risikofaktoren

Weitere Schlagworte zum Projekt:

Algorithmisches Management